Selbstfahrende Busse in Iserlohn: Das Projekt "a-BUS Iserlohn"

Im Rahmen des Projektes werden zukünftig zwei selbstfahrende Busse auf einer fest definierten Fahrtstrecke vom Stadtbahnhof Iserlohn zum Campus der Fachhochschule eingesetzt, wovon ein Fahrzeug von der Fachhochschule Südwestfalen und ein Fahrzeug von der Märkischen Verkehrsgesellschaft GmbH beschafft wird. Eingesetzt werden Kleinbusse des französischen Herstellers „Easy-Mile“, Typbeschreibung: EZ 10-G3. Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge, die auf deutschen Straßen bereits zugelassen und im Fahrbetrieb erprobt worden sind. Die beiden Fahrzeuge wurden im Mai 2021 (Fahrzeug der FH-SWF) bzw. Juli 2021 (Fahrzeug der MVG) geliefert und im Anschluss foliert. 

Einmessen der Fahrzeuge auf die Strecke

Damit die Fahrzeuge zukünftig hoch- oder vollautomatisiert eingesetzt werden können, müssen Streckendaten im manuellen wie automatisierten Modus eingelesen werden. Hierfür war eine Einmessung der Fahrzeuge auf der Strecke erforderlich. Diese Streckeneinrichtung wurde vom Fahrzeughersteller Easy-Mile im Juli 2021 vorgenommen. Im Vorfeld der Einmessfahrten wurden Lokalisierungspanels (Schilder in der Größe von 1,00 m x 1,20 m), die die Orientierung der Fahrzeuge auf dem Frauenstuhlweg gewährleisten, aufgestellt. Darüber hinaus wurden an jedem Einfahrtspunkt auf die Fahrtstrecke des a-BUS Hinweisschilder platziert, um die Verkehrsteilnehmer über die Präsenz der automatisierten Fahrzeuge zu informieren.

Operatorenschulungen

Die Fahrzeuge können manuell durch eine Fahrzeugführerin (Operatorin) oder einen Fahrzeugführer (Operator) über eine Bedienkonsole betrieben werden. Dieser manuelle Modus ist bei einem eventuellen Ausfall des automatisierten Modus, bei schwierigen Verkehrssituationen und für Fahrten abseits der eingemessenen Strecke vorgesehen. Die praktische Schulung der vorgesehenen Operatoren wurde durch den Fahrzeughersteller Easy-Mile Mitte August 2021 vorgenommen.

Zulassungsprozess & Streckenabnahme

Für die Zulassung der Fahrzeuge auf die Strecke war das Einreichen eines detaillierten Streckenprofils inklusive Darstellung der Haltestellenpunkte notwendig. Von dem Fahrzeughersteller Easy-Mile wurde hierauf aufbauend ein Streckengutachten (Site Assessment Report) erstellt, welches die Grundlage für die Streckenzulassung darstellte. Hier werden beispielsweise Risikoabschätzungen bzgl. der erforderlichen Beschilderung entlang der Strecke, einer möglichen Geschwindigkeitsbegrenzung auf Streckenabschnitten oder der allgemeinen Verkehrssicherheit benannt. Die im Site Assessment Report aufgeführten Risikoabschätzungen wurden im Anschluss durch die Kooperationspartner abgearbeitet, so dass von Seiten der Bezirksregierung Arnsberg eine Ausnahmegenehmigung gemäß § 70 StVZO ausgestellt werden konnte.

Nach Abnahme der Fahrtstrecke durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen des TÜV Nord sowie der Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Zulassungsbehörde konnte Ende August 2021 der Testbetrieb beginnen. Ab diesem Zeitpunkt wurden zunächst Erfahrungen mit dem Betrieb der Fahrzeuge gesammelt.

Der Testbetrieb der beiden automatisiert fahrenden Elektrobusse wurde Ende August 2021 ohne Personenbeförderung aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt wurden erste Erfahrungen mit dem praktischen Betrieb der Fahrzeuge gesammelt.

Die offizielle Eröffnung der rund 1,5 Kilometer langen Fahrtstrecke des a-BUS erfolgte am 15. Oktober 2021 durch NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie Dr. Dirk Günnewig als Leiter der Abteilung für Grundsatzangelegenheiten der Mobilität, Digitalisierung und Vernetzung des NRW-Ministeriums für Verkehr im Beisein von Bürgermeister Michael Joithe, Landrat Marco Voge, weiteren Ehrengästen und Vertretern der Projektpartner.

Am 18. Oktober 2021 haben die beiden automatisiert fahrenden Kleinbusse der  Fachhochschule Südwestfalen und der Märkischen Verkehrsgesellschaft den Shuttle-Verkehr zwischen dem Stadtbahnhof Iserlohn und dem Hochschulcampus der Fachhochschule Südwestfalen für die Öffentlichkeit aufgenommen. Der Regelbetrieb mit Personenbeförderung findet Montag bis Freitag zwischen 8 bis 15 Uhr auf der Teststrecke statt. Alle Interessierten können die Kleinbusse bis zum Ende der Projektlaufzeit (Juni 2023) kostenlos nutzen. Zugestiegen werden kann an den a-BUS-Haltestellen am Stadtbahnhof (in der Nähe der Fahrrad-Boxen und des Parkhauses), an der Alexanderhöhe sowie am Campus der Fachhochschule Südwestfalen. In den Kleinbussen dürfen bis zu sechs Personen mitfahren.

Der a-BUS Iserlohn fährt nach Bedarf bzw. auf Anforderung (On-Demand). In naher Zukunft wird es möglich sein, die Busse per Smartphone über eine App oder über eine Info-Säule an den Haltestellen am Stadtbahnhof und am Campus der Fachhochschule Südwestfalen anzufordern. Auf der Info-Säule wird darüber hinaus zu sehen sein, wo sich die Busse gerade auf der Strecke befinden und wann sie an den Haltestellen eintreffen.

Die Fahrzeuge werden von einem Operator (Fahrzeugführer) der Märkischen Verkehrsgesellschaft begleitet, der den ordnungsgemäßen Fahrbetrieb gewährleistet und nur im Notfall die Steuerung übernimmt.

Marketing & Öffentlichkeitsarbeit

Am 18. September 2021 fand von 10 bis 12 Uhr eine Informationsveranstaltung an der Haltestelle des a-BUS am Stadtbahnhof statt. Dort standen die Partner des Projektkonsortiums für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung.

Die Besucherinnen und Besucher waren zu einer Besichtigung der Fahrzeuge eingeladen und konnten außerdem mit Hilfe eines Virtual Reality-Demonstrators des „Centrums für automatisierte Mobilität“ (Camo.NRW) einen Blick in die Zukunft der Mobilität werfen. Neben der Vermittlung von Grundlagen zur Funktionsweise des automatisierten Fahrens konnten die zukünftigen Mobilitätsangebote getestet und in der virtuellen Umgebung interaktiv erkundet werden.

Planung und Durchführung der Informationsveranstaltung erfolgte mit Unterstützung des Camo.NRW. Hierbei handelt es sich um ein interdisziplinäres und anwendungsorientiertes Innovationszentrum, das als zentrale Anlaufstelle im Bergischen Städtedreieck – aber auch Nordrhein-Westfalen insgesamt – die Akteure auf allen Ebenen im „Innovativsystem Mobilität“ mit Informations-, Beratungs- und Weiterbildungsangeboten unterstützt.